Antiautoritärer Erziehungsstil
Der Begriff „antiautoritär“ versteht man heutzutage eher etwas wie liberal, demokratisch oder auch emanzipatorisch. Es ist eine Erziehungsmethode, bei der es keine Zwänge und keine Verpflichtungen gibt. Es soll fördern für die Selbstentfaltung des Kindes sein und das Kind in keiner weise irgendwie unter Druck stellen oder gar zu irgendwelchen Sachen zwingen. Diese Erziehungsmethode soll als Gegenstück zur autoritären Erziehung dienen. Wenn man es grob umschreiben würde, könnte man sagen, dass den Kindern hier relativ freie Hand gelassen wird, damit sich Selbstbewusstsein, Kreativität, Persönlichkeit und Gemeinschaftsfähigkeit des Kindes ganz frei entfalten können. Nur haben auch einige Eltern dieses Erziehungsmodell komplett falsch verstanden und meinen, ihr Kind ganz ohne Grenzen erziehen zu können, aber das geht natürlich nicht, ist also damit auch nicht gemeint.
Dieses Verhalten, beziehungsweise, dieses falsche Verständnis hat uns eine ganze Generation von flegelhaften Egoisten und dieser Erziehungsmethode seinen schlechten Ruf eingebracht.
Es geht bei dieser Erziehung darum, nicht so wie damals in den 30ern auf einen festen und organisierten Ablauf im normalen Alltag zu setzen, sondern zu versuchen den Kindern ihren eigenen Entscheidungsspielraum zu lassen. Viele Eltern sind heute schon der Meinung, dass nur Disziplin und Strenge nicht der richtige Weg für die Erziehung des eigenen Kindes ist. Früher lebten die Kindern in einem sehr strengem Zwang über Gehorsam und der traditionellen Unterordnung in er Gesellschaft wurde weitestgehend groß gelobt. Viele Kritiker sagen aber auch, dass es den Kindern damals dadurch auch nicht möglich war, Selbstbewusstsein und Kontaktfähigkeit richtig zu entwickeln. Trotz dieser Bewertungen wurde ein großer Teil der Kinder früher dennoch mit viel Zwang und Disziplin erzogen. Auch damals gab es schon einige Menschen, die ihre Kinder antiautoritär erzogen haben, aber dieser Kinder wurden als „wild“ und unheimlich „chaotisch“ verschrien, selbst wenn diese Kinder später im Alter eines Erwachsenen wesentlich mehr an Kreativität und natürlich auch an Selbstvertrauen entwickelt hatten.
Viele Politiker und Theoretiker sprachen sich in den 60er Jahren für die antiautoritäre Erziehung aus, denn es wurde befürchtet, dass Unterdrückung der Selbstentfaltung den Kindern in erheblichen Maße schaden könnte. ES kam sogar zu der Entstehung von ganzen Studentenbewegungen, die sich gegen den autoritären Erziehungsstil stellten. Der ursprüngliche Begriff „antiautoritär“ wird heute gar nicht mehr so verwendet, es werden Kinder in Deutschland heute „demokratisch“ erzogen. Sogar Schulen, Sportvereine und viele Jugendprojekte setzen heute auf eine liberale Erziehung der Kinder. Die Kinder sollen kreative, eigenständige und sozial fähige Menschen werden, die sich nicht der allgemeinen Gesellschaft unterwerfen. Aktuelle Statistiken bestätigen, dass Kinder, die liberal erzogen worden sind im späteren Leben wesentlich selbstständiger und auch erfolgreicher und auch unabhängiger sind. Kinder die autoritär erzogen worden sind, sind im späteren Leben oft anderen menschen gegenüber recht verschlossen und Sie ordnen sich in der normalen Gesellschaft auch sehr schnell unter. Im Großen und Ganzen sollte man für sich selbst die beste Mischung zwischen den beiden Erziehungsmethoden auswählen, denn ganz ohne Grenzen geht es natürlich nicht, aber dennoch sollte den Kindern genügend Spielraum gelassen werden, um sich selbst auch frei entfalten zu können.
January 18 2010 08:14 pm | Erziehung
March 2nd, 2010 at 10:40 am
Eine schöner Überblick. Ergänend möchte ich zwei Anmerkungen machen:
Wie viel Grenzen Kinder brauchen verschleiert das wesentliche Thema. Kinder, wie alle anderen Menschen auch, benötigen für die eigene Entwicklung ein ‚Gegenüber‘ mit dem sie in Kontakt treten können.
Die Frage ist also: wie gelingt es uns, uns in unserer Be’grenz‘theit auszudrücken? Nur so machen Grenzen im sozialen Bereich Sinn.
Sich als begrenztes Gegenüber erkennen zu geben und somit den Kindern die Chance geben, ihre eigene Struktur daran zu entwickeln. Wir müssen keine Grenzen setzen, wo keine sind.
Sätze wie „Die Kinder sollen kreative, eigenständige und sozial fähige Menschen werden, die sich nicht der allgemeinen Gesellschaft unterwerfen“ irritieren mich immer wieder.
In einer autoritär strukturierten Gesellschaft würde der Satz stimmen. Diese Gesellschaftsform erwartet Unterwürfigkeit usw. Da stört Eigenständigkeit usw.
Wir leben aber in einer sehr individualisierten Gesellschaftsform. Sich dieser Struktur zu unterwerfen heißt eigenständig, kreativ … aufzutreten. Das was früher Abweichung wäre ist heute Anpassung. Wer heute etwas werden will muss eigenständig … sein.